Hannah Arendt als Jugendlektüre

Kerstin Hergt, HAZ, 28.04.2019

„Fake Youth“ ist ein Stück, das das auf politische Themen spezialisierte Theater-Kollektiv Andcompany & Co. aus Frankfurt am Main mit elf jungen Menschen aus Hannover auf der Grundlage von Arendts Abhandlungen und Analysen entwickelt hat. Das Ergebnis, jetzt uraufgeführt im Ballhof Eins, ist erstaunlich: Das multitalentierte Ensemble schafft es, Arendts ursprünglich auf die politischen Zustände ihrer Zeit zugeschnittenen Analysen ins Hier und Jetzt zu übertragen. Und das ohne Pause in sehr unterhaltsamen 75 Minuten.

HAZ

FAKE YOUTH im Ballhof

Jörg Worat, Neue Presse, 29.04.2019

„Lies sind Likes ohne K“, heißt es an einer Stelle, und der Typ, der da im Einhorn-Kostüm rumrennt, gibt zu, dass er für Follower-Zahlen alle Peinlichkeiten der Welt auf sich nehmen würde.

Es wird gesungen, „Cry Me A River“ zum Beispiel, es wird getanzt, Instrumente kommen zum Einsatz. Genau genommen ist viel zu viel los, so dass man das Getümmel gar nicht in seiner Gesamtheit erfassen kann – das aber ist ja durchaus eine Spiegelung der Verhältnisse. Um so wichtiger, dass die chorischen und choreographischen Passagen sehr sauber gesetzt sind, und der sympathische Abend hat einen weiteren Vorteil: Die Akteure wirken durch die Bank so individuell, dass Gedanken an eine gleichgeschaltete Jugend sich für diese 70 turbulenten Minuten in Wohlgefallen auflösen.

Neue Presse