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Last update: 11.1.2012

Jan Brokof
Oldenburgisches Staatstheater, Exerzierhalle
23.02.2012 / 20:00
Premiere! GO WEST Festival
24.02.2012 / 20:00
Frascati, Amsterdam
02.03. - 04.03.2012 / 20:00
NL Premiere!
Rotterdamse Schouwburg
15.03.2012 / 20:30
Neuer Artikel von Alexander Karschnia zu den Kürzungen in den Niederlanden und den Theaterbesetzungen in Italien:
berlinergazette.de/theater-niederlande-italien-kulturkonterrevolution/
Die rechtsliberale niederländische Regierung plant katastrophale Kürzungen in der Kunst- und Kulturförderung, welche die bestehende Infrastruktur zerstören würde. Es geht dabei nicht nur um Streichungen, sondern es handelt sich um eine veritable Kulturkonterrevolution.
Hier gehts zur Internationalen Petition
In der Bildenden Kunst spricht man dabei schon von einem "neuen Bildersturm". Es geht jedoch nicht nur um die Niederlande! Die akute Gefahr für uns alle besteht darin, dass die Niederlande wieder mal nur die Vorreiter einer gesellschaftlichen Entwicklung sein könnten, die uns auch hierzulande droht. Das ehemals liberalste Land Europas entwickelt sich gerade zum restriktivsten - wie auch in der Einwanderungspolitik. Vor einigen Jahren wurde der Begriff "Hollandtest" eingeführt für die Zumutungen eines penetranten Fragekatalogs, dem sich Einbürgerungswillige unterziehen müssen, der daraufhin auch in Deutschland und anderen EU-Ländern zur Anwendung kam. Für den Rechtsextremisten Geert Wilders sind Kunst & Kultur sowieso nur "linke Hobbies".
Für die freie Szene hierzulande ist die Absicht der niederländischen Regierung, ab 2013 keine unabhängigen Produktionshäuser mehr zu finanzieren, sondern nur noch acht "Stadttheater" ein erschütternder rollback, ein Versuch, die Zeit zurückzudrehen: Hatten die Holländer doch vor 40 Jahren die Kulturförderung radikal umstrukturiert und die Zuwendungen an die großen Institutionen verringert zugunsten der direkten Förderungen von Künstlern, insbesondere von Theatergruppen. Dadurch ist eine einmalige Kulturlandschaft entstanden, eine Blüte neuer Ästhetiken und Theaterformen, die Hans-Thies Lehmann "das Wunder des holländischen Theaters" genannt hat. Diese Reform hat Holland zum Modell für freie, unabhängig produzierende Theaterleute gemacht und das nicht nur in Westeuropa. Dieses Modell soll nicht etwa reformiert, sondern komplett abgeschafft werden. Das ist nicht hinnehmbar und schreit nach einer Antwort von uns allen. Das Frascati Theater in Amsterdam benutzt seit ein paar Tagen als neues Logo eine schwarze Fahne mit einem weißen Kreuz - auch wir haben 2004 die schwarze Fahne über dem TAT (Theater am Turm) gehisst: Auf, ihr freien Kulturproduzenten & -aktivisten, hisst die schwarze Fahne,
hoist your colours high!
Nächste Demonstration ist am 19.9. in Le Hague: www.marsderbeschaving.nl
Für Aktionspläne von andcompany&Co. klick auf EN in der rechten oberen Ecke und lies weiter an derselben Stelle:
Am 19.9. haben sich in Rotterdam die Neo-Geuzen zusammengerottet:
Die Geuzen sind zurück: vor 444 Jahren haben die niederländischen Adligen bei der spanischen Statthalterin vorgesprochen, um die Verfolgung Andersgläubiger durch die Inquisition zu mildern und ihre Rechte zu verteidigen. Margaretha von Parma bekam es mit der Angst zu tun, daraufhin flüsterte ihr ein Höfling zu: “N’ayez pas peur, Madame, ce ne sont que des gueux.” (Haben Sie keine Angst, Madame, das sind nur Bettler!) Bettler - Geuzen - nannten sich daraufhin die holländischen Bürger und trugen Bettlertracht. Nun haben sich Künstlerinnen und Künstler, die von der Regierung als Bettler beschimpft werden, zusammen gerottet, um als Neo-Geuzen den Opstand zu proben - auf facebook als neo-geuzen und auf dem Malieveld, der Demo-Wiese in Le Hague.
Ironie der Geschichte: Hier stand einmal ein Wald, der Wald wurde während des historischen Opstands gegen die Spanier gerodet, seitdem war es ein Versammlungsort (u.a. Exerzierplatz für die Bürgermilizen), Gemeinschaftsgrund, nun hat die gegenwärtige Regierung versucht, ihn als Immobilie zu veräußern...
KOMMANDO JOHANN FATZER
„Nur wenn man sich schuldig fühlt ist Flucht etwas Negatives“, sagte einmal Heiner Müller. In der politischen Theorie von Toni Negri & Michael Hardt werden Flucht, Desertion, Exodus zur revolutionären Strategie: Es geht nicht länger darum, die Macht im Staat zu ergreifen, sondern sich der Macht des Staates zu entziehen. Wie die jungen Arbeiterinnen und Arbeiter Italiens, die nach den wilden Streiks 1977 in den Norden zogen, um dem Fabrikregime zu entkommen. Oder der Massenexodus aus dem real-existierenden Sozialismus, der 1989 die Mauer zum Einsturz brachte. Längst ist dem Kalten Krieg ein heißer ‚Vierter Weltkrieg’ gefolgt: die neoliberale Globalisierung, EMPIRE. Fatzers Entscheidung gewinnt dadurch neue Dringlichkeit: „Ich mache keinen Krieg mehr. Ich scheiße auf die Ordnung der Welt!“
Doch in welcher Weltordnung leben wir? Während kurz nach dem Fall der Mauer noch von einer ‚new world order’ gesprochen wurde, scheint die Welt heute weniger geordnet als je zuvor, bzw. scheint Unordnung zum festen Bestandteil der Ordnung geworden zu sein. Und ein nicht enden wollender Krieg: der permanente Ausnahmezustand. Den „wahren Ausnahmezustand“ herbei zu führen ist – laut Walter Benjamin – das Ziel jeder authentischen Revolution. In einer Zeit, in der eine anonym verfasste politische Kampfschrift über den ‚kommenden Aufstand’ zum Beststeller wird, wird es Zeit, sich auf die Geschichte vergangener Aufstände, gescheiterter Revolutionen zu besinnen: „Denn von jetzt an und für eine ganze Zeit lang wird es in eurer Welt keine Sieger mehr geben, sondern nur mehr/ Besiegte.“
Oftmals markierten Meutereien, Befehlsverweigerungen, Ungehorsam den Beginn von Aufständen, die zu radikalen Umwälzungen führten. KOMMANDO JOHANN FATZER erinnert an die Praxis militanter Gruppen, im Namen gefallener Kameraden zur Aktion überzugehen. Nur ist im Falle Fatzers der Gefallene zum Opfer seiner eigenen Kameraden geworden. Zugleich bezeichnet ein Kommando nicht nur eine aktive Einheit, sondern auch einen Appell, Befehl, Aufruf zur Tat. Doch wozu fordert Fatzer auf außer dazu, keinem Befehl mehr zu gehorchen, nicht länger mitzumachen, auszusteigen, aufzuhören, abzuhauen? KOMMANDO JOHANN FATZER möchte diese Widersprüche produktiv machen und zur Diskussion stellen. Das ist, was Brecht bis zu letzt mit seinen Stücken auslösen wollte: eine ‚Große Diskussion’. Nur sie kann die Voraussetzung schaffen für die ‚Große Produktion’: Kommunismus.
Alexander Karschnia
am 29.03. im DT Göttingen mit Alexander Karschnia und Nicola Nord als Wojo van Brouwer
Alex Karschnia über WUNDERKINDER in der Theaterzeitung des Deutschen Theater Göttingen: www.andco.de/index.php
Neue Kritiken zu Pandämonium Germanicum und West in Peace auf schoenschrift.org
Das neuste Stück von andcompany&Co. sorgt für fesche Unterhaltung in Form von hitzigen Diskussionen auf nachtkritik.de.
http://alextext.wordpress.com/2011/01/13/1776-das-ende-des-freien-theaters-in-teutschland/
Write to andcompany@andco.de //// 12 € only
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Porträt von Anja Quickert in Theaterheute