Die Show muss immer weitergehen: „Wir Krisendarsteller*innen“

Berlin. Im HAU eröffnen die Berliner Gruppe andcompany&Co. und das Theater Thikwa ein Trainingscamp für die Kunst in Zeiten des Krieges.

Sechs Personen begeben sich wie Detektive auf Spurensuche. Mit einer großen Lupe bewegen sie sich durch eine Bühne aus weißem Kunststoff, zwischen Auto, Pavillon und Bauklötzen, während im Hintergrund der Mond groß und blass leuchtet. Die Szenerie wirkt künstlich und zugleich rätselhaft.

(…)Ausgangspunkt ist das Phänomen der Krisendarsteller: ein Begriff, der ursprünglich aus Trainings von Rettungskräften stammt und seit Jahren von Verschwörungstheoretikern genutzt wird, um reale Gewaltverbrechen infrage zu stellen. Im Zentrum steht die Beobachtung, dass durch dieses rechte Narrativ Täter und Opfer systematisch vertauscht werden.

(…)Am Ende verdichtet sich der Abend zu einer Klage über finanzielle Einschnitte, die besonders Soziales und Kultur betreffen. Das Trainingslager wird zum Ernstfall der Triage: Was soll gerettet werden, was bleibt zurück? Im Schlussbild singen zahlreiche Beteiligte „The Show Must Go On“ – keine Krisendarsteller, sondern Menschen in der Krise.

Autor

Georg Kasch